Das Wachstum der Coregonen

Coregonen sind in Ihrem Wachstum sehr stark abhängig von verschiedensten Faktoren ihres Gewässers. Bestandsdichte, Gewässerzustand (Eutrophierung) und die damit verbundene Menge an Fischnährtieren (Zooplankton, Insekten u.s.w.) stehen in direktem Zusammenhang mit dem Wachstum der Coregonen. Um eine umsichtige und nachhaltige Bewirtschaftung zu gewährleisten ist daher für jeden See eine Untersuchung durch Fischereibiologen unumgänglich, wobei man sagen kann dass die Coregonenbestände unserer Alpenseen zu den am besten untersuchten Fischarten gehören. Das hat natürlich in erster Linie wirtschaftliche Gründe. Coregonen sind ja die Haupteinnahmequellen der Bewirtschafter und werden von der Berufsfischerei und der Angelfischerei sehr stark, oder sagen wir, gleich gerne, genutzt. Das Wachstum der Renken beginnt, wie sollte es auch anders sein, im Eistadium. Um die Eier zur künstlichen Erbrütung zu gewinnen, muss man die laichreifen Fische abstreifen, dass heißt mit mäßigen Druck auf die Bauchhöhle werden die Eier aus der Geschlechtsöffnung gepresst also abgestreift. In einer Plastikschüssel werden die Coregoneneier anschließend aufgefangen und mit der Milch der männlichen Fische vermischt und dadurch befruchtet. Am besten eignet sich dazu eine Gänsefeder um die empfindlichen Eier nicht zu verletzen. Bei der ersten Laichabgabe kann es auch durch eine eventuelle noch mindere Laichqualität zu erhöhten Verlusten kommen. Ideal sind daher Laichfische die 2 - 5 mal ablaichen. Bei älteren Tieren nimmt die Qualität der Eier dagegen wieder ab. Es ist daher ein Irrglaube, dass große Maränen für einen guten Maränenbestand zwingend notwendig sind.
 
14 Tage alte gequollene Coregoneneier von zum ersten Mal abgestreiften Mutterfischen. Die befruchteten Eier nehmen in den nächsten Stunden Wasser auf, man spricht von aufquellen. Durch diesen Vorgang vergrößert sich auch das Volumen und die Härte der Eier.
 
Pro Zugerglas warten jetzt 200 000 Eier auf die Schlupfphase
In Aufzuchtstationen werden die befruchteten Coregoneneier in, von See oder Bachwasser durchströmten, Glasbehältern (Zugergläser) erbrütet. Dieser Vorgang dauert ca.10 Wochen und kann durch Regelung der Wassertemperatur (Kalterbrütung) gesteuert werden. Idealerweise sollte die Wassertemperatur 7-8 Grad betragen. Coregoneneier sind nach dem Abstreifen leicht klebrig und müssen daher täglich ein paar Mal umgerührt werden. Für diesen Vorgang eignet sich am besten eine lange Schwanenfeder. Nach einiger Zeit kann das Umrühren durch eine leichte Erhöhung des Wasserdurchflusses ersetzt werden. Die Eier sind durch den von unten kommenden Wasserdruck ständig in Bewegung, verkleben nicht mehr und bekommen ausreichend Sauerstoff. Um Pilzbefall zu vermeiden müssen abgestorbene oder unbefruchtete Eier mittels eines speziellen Eiersaugers entfernt werden. Diese Eier sind für einen geübten Betrachter leicht durch ihre auffällige weiße Haut zu erkennen.
 
Maränenbrütling 3 cm
Die frisch geschlüpften Fischlarven sind kaum sichtbar, wie kleine Striche zeichnen Sie sich im klaren Wasser ab und nur in Behältern mit hellem Hintergrund kann man die Neuankömmlinge etwas genauer beobachten. In der Natur sind diese Larven natürlich sofort die Beute zahlreicher Räuber. Wahrscheinlich gibt es kaum einen Fisch, egal ob Fried - oder Raubfisch, der Coregonenlarven verschmäht und um diese natürlichen Verluste zu minimieren werden die Larven vorgestreckt. Das Vorstrecken von Coregonen bedeutet nichts anderes, als ein nach dem Schlüpfen durchgeführter Fütterungsprozess der die Fischlarven auf eine bestimmte Größe wachsen lässt. Diese Umstellung vom Dottersack auf Plankton oder Trockenfutter ist ein kritischer Punkt bei der Aufzucht der Larven und sollte nur von einem erfahrenen Fischereimeister durchgeführt werden. Es gibt Untersuchungen die besagen, dass ein Besatz mit vorgestreckten Brütlingen einen wesentlich besseren Ertrag ergibt. Man geht davon aus, dass der Ausfall von natürlich im See geschlüpften Coregonenlarven bei 99 % liegt. Mit vorgestreckten Brütlingen sinkt dieser Prozentanteil auf 94% und dieser Umstand rechtfertigt auch den höheren finanziellen Einsatz für vorgestreckte Maränen. Der Maränenbesatz kommt als Brut in den See oder er wird in speziellen Netzgehegen oder großen Aufzuchtbehältern (Langstrombecken) mit Plankton weiter aufgezogen. Da man natürlich große Mengen von Plankton zur Aufzucht benötigt, besitzt jede Aufzuchtstation ein mobiles oder wenn man einen geeigneten Seeauslauf hat, ein stationäres Planktonnetz, um ständig genügend Futter zur Verfügung zu haben.
 
Tausende Brütlinge stehen jetzt kurz vor dem Besatz. In, mit Sauerstoff angereicherten, Transportbehältern werden die Maränen für den Besatz vorbereitet. Vorbereitet heißt auch, die Brütlinge an die jeweilige Temperatur des zu besetzendes Gewässer anzupassen. Entweder passiert das durch Beigeben von Seewasser oder mit durchsichtigen Kunststoffbeuteln, die vor dem Besatz in Seewasser gelagert werden. Ist eine Temperaturangleichung gegeben, so kann die Besatzaktion beginnen.
 
In der Seemitte, weit weg von ihren Fressfeinden, werden die Maränen besetzt. Da es sich bei Coregonen um Schwarmfische handelt, passiert dieser Vorgang mit einem langsam fahrenden Boot. Die Brütlinge sollen ja einen Schwarm bilden und nicht einzeln herumirren. Durch das langsam fahrende Boot haben sie auch keine Gelegenheit sich unter dem Bootskörper zu verstecken. Jetzt befinden sich die Coregonen endlich in ihrem angestammten Lebensraum.
 
Da aber auch bei Brütlingen, bei aller Sorgfalt, der Ausfall noch sehr hoch ist, greift der Bewirtschafter gelegentlich jetzt noch ein letztes Mal unterstützend in den natürlichen Kreislauf ein. In speziellen, für die Aufzucht geeigneten Teichen, werden die heranwachsenden Coregonen bis auf 15 cm vorgestreckt. Der Prozentanteil der ausfallenden Fische sinkt ja mit der Größe der besetzten Coregonen. Diese Besatzstrategie unterstützt nicht nur den Bestand sondern hilft auch eine optimale Altersstruktur bei den Coregonen zu gewährleisten.Die Natur hat es so eingerichtet, dass sich jetzt schon ausreichend Plankton im See befindet. Die Maränen finden also einen reich gedeckten Tisch vor und werden in einem halben Jahr auf 10 bis 15 cm abwachsen.
 
Im Teich mit Zooplankton aufgezogener mit 6-monatiger Maränensetzling.
 Ab jetzt liegt das weitere Schicksal der Coregonen in den Händen der Bewirtschafter die mit sinnvollen Fischereibestimmungen den natürlichen Kreislauf erhalten und nachhaltig sichern sollen. Aber auch Sportangler sind selbstverständlich dazu angehalten, geltende Bestimmungen einzuhalten und nicht nur die Entnahmemenge sondern auch die Zukunft der Renkenfischerei im Auge zu behalten, gefangene Fische sorgsam zu behandeln und wenn nötig (Untermassig) unverletzt zurückzusetzen. Das Längenmass ist ja, wie bei den meisten Schuppenträgern, eine sehr gute und schnelle Möglichkeit zur Altersbestimmung. Hier gibt es aber für nahezu jeden See, ableitend von verschiedensten Einflüssen oder Coregonenarten, bezogen auf die Laichreife, gesonderte Bestimmungen. Dazu kommt, dass viele Renkenangler nicht wissen wie alt ihre gefangenen Fische sind, und mit Begriffen wie Sömmrige oder 1+ nichts anfangen können. Das Wissen um diese Vorgänge kann aber auch eine neue Bewusstseinsbildung, betreffend den Umgang mit gefangenen Renken, fördern. Um einen kleinen Einblick in die Alterstruktur von Coregonen zu bekommen, begeben wir uns nun als erstes zur Alters - Pyramide der Coregonen.
 
 An Hand dieser Grafik sieht man das Wachstum der Renken vom vorgestreckten Stadium bis zum fangfähigen Fisch. Wie man in der Grafik erkennt wachsen diese Fische in den ersten Lebensjahren sehr schnell und erreichen unter günstigen Voraussetzungen schon mit ca. 2,5 Jahren, also 3 sömmrig  2+ eine Körperlänge von bis zu 30 cm. Mit dieser Größe werden sie allerdings schon vielerorts ausgefangen und haben keine Chance sich fortzupflanzen. Ab den 3 sömmrigen Renken verzögert sich ihr Wachstum etwas und die Fische werden im Alter von 4 sömmrig 3+ und einer Länge von 30 cm laichreif. Wenn ein See von Berufsfischern bewirtschaftet wird, dann gehen die Renken natürlich auch untermassig ins Netz. Die empfindlichen Fische sind dann leider im Kiemen- u. Rückenbereich so schwer verletzt, dass ein zurücksetzen keinen Sinn ergibt. Aber wir als Sportfischer haben die Möglichkeit untermassige Renken zu schonen und ihnen die Chance zu erhalten, wenigstens einmal abzulaichen und damit zur natürlichen Bestandserhaltung beizutragen. Untersuchungen haben bestätigt, das zurückgesetzte Renken, natürlich nur bei schonender Behandlung, durchaus gute Überlebenschancen haben. Die Voraussetzungen für ein sinnvolles Zurücksetzen sind, den Fisch wenn überhaupt nötig, nur mit feuchten Händen zu berühren und auf keinen Fall zu drücken. Am besten wäre es den Fisch ohne jede Berührung (ohne Kescher) im Wasser abzuhaken.
 
Foto: Dr. Gassner -  Bundesamt für Wasserwirtschaft
Diese Schuppe stammt von einer viersömmrigen Renke und man sieht sehr gut die Winterringe an denen man das Alter ablesen kann.
 
Solche Renken wollen wir auch in Zukunft fangen. Diese Fische haben das erforderliche Mindestmaß erreicht, haben mindestens einmal abgelaicht und sind an der Angel gute Kämpfer.
Petri Heil